Was ist das?

Meistens ist es ja viel einfacher zu sagen,
was man ablehnt oder wovon man sich abgrenzt,
als zu formulieren,
wovon man wirklich überzeugt ist.

Aber nur wer selbst verwurzelt ist,
kann auch tolerant und dialogfähig sein.

Also wollen wir Stellung beziehen, ein Bekenntnis (Konfession) ablegen.
Bitte nicht falsch verstehen: Es gibt keine absolut wahre christliche Konfession, denn alle Kirchen gründen in einer ganz bestimmten Zeit und Situation.
Zunächst also ein Blick in die Vergangenheit:

Die Schweizer Reformation

… im 16. Jahrhundert vereinigte zwei Befreiungsbewegungen des Mittelalters:
die der Zünfte gegen die geistlichen und weltlichen Feudalherren
und die der Humanisten gegen die geistig-geistliche Bevormundung durch die damaligen Kirchenfürsten.

Die Bibel … muss ich das wörtlich nehmen?

Die Reformation war und ist auf die Bibel bezogen.
Doch kleben „Evangelische“ nicht am Buchstaben, sondern versuchen den Sinn der Texte zu erfassen und in die Verhältnisse der Gegenwart zu übertragen:
Das Zentrum der Bibel ist das Evangelium – „Gute Nachricht“, dass Gott uns Menschen liebt. Jesu Lebens- und Leidensweg, sein Tod und seine Auferstehung, erzählen in besonderer Weise diese Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen.

Wir können uns nämlich durch keine guten Taten vor Gott rechtfertigen.
Der Glaube ist ein Geschenk.

Selber denken

Was die anderen Menschen betrifft, so sind die Worte Jesu die Richtschnur unseres Lebens, und zwar unabhängig vom Glauben der Anderen.
Das Ziel der reformierten religiösen Erziehung ist der aufrechte und verantwortungsbewusste Mensch.

Reformierte versuchen die direkte Beziehung zu Gott zu fördern und zu eigenem Urteil in geistlichen und weltlichen Fragen anzuleiten.

Keine Bilder

Jesus hat uns vor Augen gemalt, wie Gott ist. Wir verehren darum keine Bilder.

Taufe und Abendmahl sind Symbole für die Anwesenheit des lebendigen Gottes in der Gemeinde.

Alle Menschen sind vor Gott gleich, und jede und jeder kann sich im Gebet direkt an Gott wenden.
Das heißt: wir sind alle Priesterinnen und Priester.

Eine demokratische Kirche

Alle Mitglieder der Kirchgemeinde sind gleichberechtigt.
Sie wählen ihre Gemeindeleitung (Kirchenvorstand) und ihre Pfarrerinnen und Pfarrer selbst.

Die Kirchgemeinde ist autonom und konsequent demokratisch aufgebaut.
Es gibt kein „Darüber“, keinerlei Hierarchie.
Das Kolloquium und die kantonale Landeskirche bilden lediglich eine Dachorganisation und ein Forum zum Austausch.

Reformierte fühlen sich für die Gesellschaftlich mitverantwortlich bzw. übernehmen Verantwortung.
Im Wissen um die Grenzen menschlicher Mühe geben wir darin unser Bestes, und achten die Vielfalt der möglichen Meinungen und Konzepte als geistigen Reichtum.

„Reformiert“

… war ursprünglich keine Sonderbezeichnung für eine Kirche, sondern umfasste die ganze Bewegung der Reformation in Europa bis ins 17. Jh. hinein. Ihre Zentren lagen in Wittenberg, Zürich und Genf. Alle Kirchen der Reformation hiessen „reformierte Kirchen“. Die Kirche, die durch Wort und Geist erneuert wird, ist die nach Gottes Wort reformierte Kirche.

Diese Sprachregelung galt bis zum Jahr 1577. Dann entschlossen sich die in der lutherischen Tradition stehenden Theologen, ihre Lehrstreitigkeiten endgültig zu klären. Sie gaben eine Sammlung gültiger Bekenntnisse heraus. Wer ihr zustimmte, sollte sich „lutherisch“ nennen dürfen. Daraus folgte, dass alle, die dieser Formel nicht zustimmten (zum Beispiel die Schweizer), die Bezeichnung „reformiert“ behielten. In Deutschland hatte dies sogar zur Folge, dass die Reformierten bis zum Ende des Dreissigjährigen Krieges 1648 rechtlose und todeswürdige Ketzer blieben.

Der Begriff „evangelisch“ als „evangeliumsgemäss“ wurde in der Reformationszeit bewusst kirchenkritisch in einem Gegensatz zur nicht-reformierten und seither auch „römisch-katholisch“ genannten Kirche angewandt, die sich neben dem Evangelium noch auf kirchliche Tradition und Ämter beruft. Die Bezeichnung „Evangelische Kirche“ wird danach zum Oberbegriff für Lutherische wie Reformierte Kirchen.

Schwierig? Es kommt hinzu, dass auch die Katholiken sich im ursprünglichen Sinn als „evangelisch“ verstehen. Schliesslich haben sie ja auch das Evangelium als ihre Grundlage, nicht allein, versteht sich … und wir sind auch „katholisch“, denn „katholisch“ heisst: „allgemein“ alle Christen umfassend. Aber „römisch“ sind wir nicht mehr (es lohnt sich also nicht, wegen des Papstes aus der reformierten Kirche auszutreten).

Wie sagen wir nun am besten? Wir sind evangelisch-reformiert und unsere Schwestern und Brüder römisch-katholisch.